MZ - Yamaha Eigenbau (September)
Diesen Monat stellen wir ihnen eine Dauerleihgabe von Frank Musiol vor, ein MZ-Yamaha Enduro Eigenbau. Die Geschichte zu dem Eigenbau können Sie hier lesen und die Enduro in unserem Museum sehen.
Geschichte von Frank Musiol
Ich habe mir damals, weil es so was in
meiner Exheimat der DDR nicht gab, so ein Enduro selber gebaut.
Durch meinen Moto-Cross Sport war ich sehr geprägt von der
*Stollenreiterei*
Geplant habe ich den Bau
eines eigenen Enduros nach der Six Days Enduro in Polen 1987.Aus
Ärger bei dieser Six-Days nicht mit einem geeigneten Motorrad
sondern mit einem Auto anwesend zu sein , bestärkte sich mein
Vorhaben ein richtiges Enduro zu bauen.
Zuerst plante ich Nächte
lang im Kopf wie ich das anstelle und woher ich dafür die geeigneten
Teile bekomme.
Ich fing dann an, einige Leute zu kontaktieren,
von denen ich wusste, dass sie mir eventuell helfen könnten. Durch
Beziehungen und befreundete Motocrosser und Endurofahrer stand nun
erst einmal ein gebrochener MZ – Kleinserien- Endurorahmen in der
Werkstatt. Dazu kamen nach und nach defekte Stossdämpfer eine
verbogene Telegabel eine gebrochene Schwinge und die restlichen
Fahrwerksteile.
Vom Motor der da hinein soll hatte ich noch keine
Vorstellungen.
Zunächst wurde erst einmal die verbogene
Telegabel gerichtet. So was würde heute kein Mensch mehr machen,
aber ich habe die Holme bis auf ein 10tel genau wieder gerade
bekommen.
Die Stossdämpfer ließ ich bei einem Rentner in
Ludwigsfelde reparieren. Er hatte sich darauf spezialisiert.
Mittlerweile war das Fahrwerk im Rohbau fertig zusammengesteckt,
natürlich mit geschweißtem Rahmen und reparierter Schwinge.
Etliche Motorsportfreunde hatten mittlerweile von meinem Vorhaben
gehört und baten mir für mein Vorhaben noch etliche Teile aus ihrem
Fundus an. Darunter war auch eine Suzuki-Bremsscheibe mit Radnabe.
Die Gabel musste also mit Haltern für einen Bremssattel
ausgestattet werden. Bei der MZ war ja nur eine Trommelbremse
vorgesehen.
Die vorgefertigten Halter wurden von einem Freund in
der damaligen Flugzeugwerft im Aluschweißverfahren angeschweißt.
Dieser Freund hat mir auch damals sehr bei der Oberflächenveredelung
der selbstgebauten Teile geholfen.
… da es in der DDR
zwar moderne Zweitakter aber nichts weiter gab, musste ein Viertakter
her. Von Zweitaktern hatte ich durch meinen Beruf und meinem Sport eh
die Schnauze voll
Ein befreundeter West-Berliner hat mir dann den
Yamaha SR 500 Motor *rüber* geschmuggelt.
Allerdings ohne Lichtmaschine und ohne Vergaser.
Diese Teile habe
ich dann irgendwie aus dem „Westen“ besorgt.
Als der Motor
dann in meinem Besitz war ging die Einpasserei los.
Es wurden
erst einmal die kompletten MZ-Motorhalter herausgeschnitten und dann
der Yamahamotor in den Rahmen gestellt und mit einem Wagenheber
fixiert.
Oh Schreck, nichts passte. Die Kette war beim
Yamahamotor auf der anderen Seite und die V-förmig angebrachten
Stossdämpfer im Weg.
Als erstes wurde erst einmal das Hinterrad
umgedreht. Die Bremse war nun auch auf der verkehrten Seite und
musste umgebaut werden.
Die Stossdämpferhalter wurden so
umgebaut, dass die Kette endlich vorbei ging. Im gleichen Zug wurden
Motorhalter Kettenführung und Umlenkrollen gebaut. Die endgültigen
Schweißarbeiten am Rahmen wurden dann von Volker Reinke in
Kleinmachnow durchgeführt.
Der Grund dafür war, dass die
befreundete Familie Reinke Kart-Rahmen (Reinke Kart) bauten und
dementsprechend schweißtechnisch ausgestattet waren.
Nun war der
Motor endlich im Fahrwerk verbaut und es ging an die schwierigen
Details wie Auspuffanlage Öltank usw.
Grosse Unterstützung
bekam ich dabei von Mario Hanke, der mir half meine Ideen umzusetzen.
Mario Hanke war gelernter Karosseriebauer und vor seiner
Selbständigkeit im Prototypenbau im Autowerk Ludwigsfelde tätig.
In akribischer Kleinarbeit wurden die Teile Abend für Abend in
Handarbeit gefertigt.
Als dann das Motorrad rohbaufertig war
wurde es wieder komplett zerlegt und lackiert.
Nachdem ich nun
auch Lichtmaschine und Vergaser auf was weis ich für Umwegen und
Strapazen bekommen hatte kam endlich der große Moment.
Zündung
an, 3x den Kickstarter betätigt und das Motorrad lief!
Darauf
folgte gleich die erste Probefahrt (noch ohne Kennzeichen und ohne
Zulassung).
Ich merkte sofort, dass der Motor nicht
die Leistung brachte die er sollte. Außerdem brachen gleich nach
hundert Metern durch die Viertakt-Vibrationen die hinteren Blinker
ab.
Diese Halter wurden überarbeitet und der Leistungsmangel
wurde durch den Selbstentwickelten und aus einem
Fußgängerübergangsgeländeraluminiumrohr gefertigte Schalldämpfer
verursacht.
Nach einem Neubau eines überarbeiteten größeren
Schalldämpfers, diesmal aber aus Stahlblech war dann die erwartete
Motorleistung vorhanden.
Einzig Probleme bereitete immer wieder
die durch Erschütterungen und Vibrationen zerstörte Batterie. Durch
Änderungen der Halterung war das dann auch bald behoben.
Zwischendurch hatte ich mir auch einen Kfz-Brief einer NSU
Baujahr 1954 *besorgt* auf diesen das Motorrad
dann zugelassen wurde. Zum Glück wollte die Zulassungsstelle das
Motorrad nicht sehen.
Zu den Einzelteilen:
Tank,
Sitzbank, Kotflügel und alle anderen Anbauteile wurden aus GFK
gefertigt. Ein Öltank wurde aus einem Simsontank gebaut.
Auspuffanlage , Bremshebel etc alles Eigenbau. Der Rahmen musste auf
den Viertakter angepasst werden.
Nach vielen, vielen Sunden war
das Motorrad dann Mitte 89 fertig.
Fahrwerk : MZ Kleinserie
Motor : Yamaha SR 500 mit 33 PS ,
Trockensumpfschmierung. Als Öltank wurde eine Simsontankhälfte
umgebaut und unter dem rechten Seitenteil untergebracht
Scheibenbremse und Radnabe von Suzuki, von mir modifiziert
Fahrwerk auf Linkskettenantrieb umgebaut
Bremse hinten:
modifizierte MZ Serienbremse, Radnabe MZ Kleinserie
Telegabel: MZ
Kleinserie, modifiziert für Scheibenbremse.
Sitzbank: Eigenbau
Tank: Eigenbau
Brems und Schalthebel: Eigenbau
Luftfilter:
Eigenbau
Auspuffanlage: komplett Eigenbau
Anbauteile aus GFK





